Tweakfest – Gedanken zum Schluss
by jcf. Average Reading Time: about 3 minutes.
Tweakfest ist gestern zu Ende gegangen. Ein paar Dinge sind nicht in voller epischer Breite gebloggt, aber ich finde die Zeit dazu nicht mehr.
Nur kurz zum Panel über “Copy Right”, das eine Diskussion zum Urherberrecht versprach. Obwohl die Panelisten einiges zu sagen hatten (ein PJ Wassermann hatte sogar eher zu viel zu sagen und wurde von der Moderation nicht immer rechtzeitig gestoppt) blieb es bei einer unbefriedigenden Debatte. Eigentlich waren sich alle in den Grundzügen einig, lediglich Details differierten (Hat die SUISA nun Creative Commons umgesetzt oder nicht). Ich hätte mir (wie schon bei der “Big Brother” Diskussion) mehr Diskurs gewünscht. Ein Teilnehmer aus z.B. der Musikindustrie hätte sicherlich auch für mehr Stimmung gesorgt. So blieb das ganze langatmig und leider eher banal.
Vielleicht bin ich ja auch einfach nur falsch gewickelt. Aber bei zweien der Panels (“Copy Right” und dem “State of Media Art in Switzerland”) lancierten die Moderatorinnen lange und gelehrte (und sicherlich auch interessante) Monologe die ins Thema einführen sollten. Für mich waren diese Einführungen zu langatmig und beschränkten die Diskussion. Aber nachdem sich eh keine gescheite Diskussion ergab, war das vielleicht gar nicht so tragisch?
Ich bin während des Media Panels gegangen. All die tollen Media Showcases habe ich demnach verpasst.
Schlussgedanken
Tweakfest hat einiges versprochen, für mich aber nur sehr wenig halten können. Die eingeladenen Sprecher variierten Qualitativ sehr stark sowohl thematisch als auch präsentationstechnisch. Das Programm wollte meiner Meinung nach zu viel unter einem Hut vereinen, scheiterte dann aber an der Beliebigkeit.
Die Organisatoren müssen, wollen sie Tweakfest 06 durchführen, dringend über die Segregierung der Eintritte nachdenken. Das sich nur ca 30 – 40 Zuschauer bei Walter Hehl vom IBM Research Lab einfanden, lag sicherlich daran, dass nur wenige CHF 580 für ein Corporate Ticket bezahlen werden. Bei der Masse an Sponsoren (die übrigens sehr diskret im Hintergrund blieben, danke) wäre ein Einheitspreis (+ eine Studentenversion) allemal besser. Dann hätte man auch das Program interessanter gestalten können und die Media-Showcases während des Tages einstreuen können.
Technisch müssen die Organisatoren in Bezug auf Infrastruktur über die Bücher: Kein funktionierendes WLAN, kein Strom (danke an die Garderobe, die eine freie Steckdose hatte um da Powerbook aufzuladen). Keine freien Getränke oder Snacks. Dinge die schlicht und ergreifend an eine Konferenz gehören.
Was mir total fehlte war das Gefühl von Gemeinschaft. Bei der reboot Konferenz in Kopenhagen stellte sich mehr oder weniger sofort das Gefühl ein, a) Teil einer Gemeinschaft zu sein (“european internet visionaries unite” ist sicher kein schlechtes Motto) b) bei der Entstehung von etwas neuem dabei zu sein. Der Gedankenaustausch zwischen den Teilnehmern, der sicher ein Ziel einer solchen Konferenz sein muss, wurde in Kopenhagen wunderbar, in Zürich überhaupt nicht erreicht.
Vom Marketing her wäre sicher auch mehr zu machen gewesen. In der Blogosphere habe ich nur ganz wenige Erwähnungen von Tweakfest gefunden (Nicolas Nova, Benjamin J.J. Voigt sowie miss.gunst )
Fazit: Leichte Enttäuschung, einige Highlights (Bruce Sterling, Cornelia Sollfrank). Die 75 Franken die ich für das Corporate Ticket bezahlte (als Freund von Tweakfest bekam ich dieses Angebot) waren der Sache angemessen. Gehe ich wieder? Kaum, ausser es sind deutliche Verbesserungen feststellbar.
In der Eröffnungsansprache der Tweakfest Organisatoren wurde bereits auf zukünfigte Pläne hingewiesen. Jungs, bevor ihr internationalisiert und grösser und besser werdet (leider hab ich die Notizen über die Ziele gelöscht) schaut dass ihr eine nationale Konferenz gut hinkriegt.
Und ich, ich freue mich auf Lift06 in Genf, im Februar 2006!
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Hö, hab mit Interesse Deine Berichte gelesen.
*t
Danke für die Berichterstattung, ich bin nicht so enttäuscht.
Die Urheberrechtsdiskussionen werden in den meisten Fällen dilettantisch geführt (egal wo) und in den übrigen sind die Fragen eine Überforderung (selbst für Juristen, wie du ja auch schreibst), weil Technisierung und Globalisierung gleichzeitig schwer verdaulich sind fürs Copyright.
Aber es wäre eine Chance gewesen, über Moral zu diskutieren. Doch dazu hat offenbar die Zeit gefehlt. Manchmal fehlt auch die richtige Moderation (Philosoph/in?).
Jedenfalls sehe ich seit ein paar Jahren zu, wie wir da nicht weiterkommen und wie viele Menschen durch Ideenklau und Gratis-Sucht verheizt und andere unendlich reich werden.
Ich gehe davon aus, dass der Umgang mit geistigem Eigentum eine der grössten kulturellen Herausforderungen unseres Jahrhunderts wird. Denn eigentlich lebt die Gesellschaft vom geistigen Eigentum. Nicht nur England. Aber Tony Blair war m.E. der erste, der sich politisch damit befasst hat: “Die finanziellen
Rückflüsse aus intern. Tantiemen der Rockmusik übertreffen die Exporterlöse der britischen Stahlindustrie.” (Aus der Rede vom 9.9.1997 am Trades Union Congress.)